Der Nosumer

Unabhängigkeit zu Ende gedacht – die Bürokratie endet erst, wenn man den Stromanschluss kündigt?

Wer alt genug ist, erinnert sich vielleicht noch an die ersten elektronischen Taschenrechner.

Sie hatten leuchtende LED Anzeigen, die vergleichsweise viel Strom benötigten. Deshalb hingen sie meist an einem Steckernetzteil. Erst mit der LCD Anzeige kam der eigentliche Durchbruch. Plötzlich reichte die Energie einer kleinen Solarzelle in der Gerätehülle aus, um den Taschenrechner netzunabhängig zu betreiben. Und dies ganz ohne direkte Sonneneinstrahlung. Selbst das schwache Licht in einem Gebäude genügte, was ungefähr einem grauen Novembertag entspricht.

Der entscheidende Schritt war also nicht die bessere Energieversorgung, sondern die drastische Reduzierung des Energiebedarfs.

Genau an diesem Punkt steht heute die Energiewende.

Viele Diskussionen drehen sich um die Frage, wie wir immer mehr Strom erzeugen können. Größere Photovoltaikanlagen, größere Batteriespeicher, größere Netze und größere Kraftwerke sollen den steigenden Energiebedarf decken.

Doch vielleicht ist das die falsche Reihenfolge.

Vielleicht sollten wir zuerst fragen, wie weit sich der Energiebedarf überhaupt reduzieren lässt.

Der Nosumer ist die Vision eines Hauses, das seinen Strombedarf vollständig selbst deckt.

Photovoltaik auf dem Dach.

Photovoltaik an der Fassade.

Photovoltaik im Zaun.

Der Nosumer besitzt ein Haus, das seinen Strom vollständig selbst erzeugt. Er bezieht keinen Strom mehr aus dem Netz und liefert auch keinen Strom mehr ein. Er ist kein Prosumer mehr. Er ist Nosumer.

Warum speist er nicht ein?

Weil jede Verbindung zum Energiesystem nicht nur Chancen, sondern auch Abhängigkeiten erzeugt.

Der Prosumer wird zum Marktteilnehmer. Er beschäftigt sich mit Einspeisevergütungen, Messkonzepten, Smart Metern, Steuerboxen, dynamischen Tarifen, Netzentgelten und immer neuen regulatorischen Anforderungen.

Der Nosumer verfolgt ein anderes Ziel.

Er möchte nicht am Energiemarkt teilnehmen.

Er möchte ihn verlassen.

Er betrachtet Energie ähnlich wie Wasser aus dem eigenen Brunnen oder Obst aus dem eigenen Garten. Nicht als Handelsware, sondern als Teil seiner persönlichen Versorgung.

Die Bürokratie endet erst, wenn der Stromanschluss gekündigt ist.

Genau deshalb strebt der Nosumer nicht nach maximaler Einspeisung, sondern nach maximaler Unabhängigkeit.

Natürlich wird es auch künftig Zeiten geben, in denen die Sonne nicht scheint. Gerade im November, während Dunkelflauten oder in Kältewellen kann Strom knapp werden. Genau deshalb ist der Nosumer kein rein elektrisches Konzept.

Der Nosumer ist Hybridheizer.

Er nutzt eine Wärmepumpe, solange ausreichend Strom vorhanden ist. Wenn Strom knapp wird, nutzt er einen zweiten Energieweg. Das kann Holz, Biomasse oder ein anderer lokal verfügbarer Energieträger sein.

Der Nosumer versucht nicht, die Natur auszutricksen.

Er akzeptiert, dass es Jahreszeiten gibt.

Er akzeptiert, dass es Dunkelflauten gibt.

Er akzeptiert, dass Energie im Winter knapper ist als im Sommer.

Statt immer größere Stromsysteme für die wenigen kritischen Tage aufzubauen, reduziert er seinen Strombedarf genau dann, wenn es darauf ankommt.

Er ersetzt elektrische Heizenergie durch lokal verfügbare Wärme.

Dadurch wird eine vollständige Unabhängigkeit vom Strombezug überhaupt erst erreichbar.

#Nosumer