
In den letzten Monaten habe ich viele Gespräche über Virtuelle Kraftwerke, Flexibilitätsmärkte und die intelligente Steuerung von Wärmepumpen, Speichern und Wallboxen geführt. Dabei wird regelmäßig betont, welches Potenzial in der zeitlichen Verschiebung von Verbrauchern steckt. Wärmepumpen können früher oder später laufen, Elektroautos können netzdienlich geladen werden und Batteriespeicher können Lastspitzen reduzieren. All das ist sinnvoll und wird zweifellos einen Beitrag zur Stabilisierung des Energiesystems leisten.
Trotzdem habe ich den Eindruck, dass wir häufig über die einfachen Stunden sprechen und deutlich seltener über die schwierigen.
Netze und Reservekraftwerke werden schließlich nicht für einen sonnigen Apriltag mit viel Photovoltaik gebaut, sondern für die wenigen Stunden und Tage, in denen die Belastung des Systems besonders hoch ist. Deshalb stelle ich mir immer wieder die Frage, ob die entscheidende Größe für die Energiewende nicht die Flexibilität während einer Kältewelle ist und nicht die Flexibilität während eines durchschnittlichen Betriebstages.
Nehmen wir als Beispiel eine Kältewelle wie Anfang 2012. In einer solchen Situation steigt der Strombedarf von Luft Wasser Wärmepumpen erheblich an, während gleichzeitig die erneuerbare Stromerzeugung oft deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Genau dann entscheidet sich, wie viel Netzausbau, Speicherleistung und Reservekapazität tatsächlich benötigt werden. Die Frage lautet deshalb nicht nur, wie viel Flexibilität ein Gebäude grundsätzlich besitzt, sondern wie viel davon in genau diesen kritischen Situationen noch verfügbar ist.
Aber auch jenseits von Extremwetter merkt der monoenergetische elektrische Schönwetter Prosumer sehr schnell, dass Strom immer dann aus dem Netz spottbillig ist, wenn er ihn selbst kostenlos vom Dach hat. Und der Strompreis ist häufig genau dann besonders hoch, wenn es kalt wird und die monoenergetische Wärmepumpe im notwendigen Dauerbetrieb bis zu so viel Strom verbraucht wie 19 Häuser ohne elektrische Heizung.
Selbst nach §14a EnWG gedimmt, darf ein Haus mit Wallbox für die monoenergetische Luft Wasser Wärmepumpe bis zu 7,5 kW elektrische Leistung aus dem Netz beziehen. Über 24 Stunden entspricht dies 180 kWh Strom. Zusammen mit rund 10 kWh typischem Haushaltsstrom ergibt sich damit ein Tagesbedarf von etwa 190 kWh. Ein Haushalt ohne elektrische Heizung benötigt dagegen oft nur etwa 10 kWh pro Tag. Daraus ergibt sich dieser Faktor von bis zu 19.
Und jetzt stellen Sie sich bitte einmal vor, dass die Kilowattstunde in dieser „Alle wollen heizen Zeit“ 1,60 € kosten könnte. Viele werden ihren Frust dann auf die teuren Investitionen in HEMS, Photovoltaik und Wärmepumpe schieben. Der eigentliche Grund ist jedoch, dass man gerade bei hohen Strompreisen regelmäßig gar nicht flexibel ist.
Hier sehe ich einen Unterschied zwischen dem, was ich als Schönwetter Flexumer und als Allwetter Flexumer bezeichnen würde.
Der Schönwetter Flexumer kann bei billigem Strom seinen Verbrauch intelligent verschieben und auf Preissignale oder Netzanforderungen reagieren. Das hat jedoch nur einen begrenzten Nutzen, wenn gleichzeitig reichlich kostenloser Strom vom eigenen Dach zur Verfügung steht. Die heutigen Potenziale sommerlicher Lastverschiebungen werden künftig vermutlich von Großspeichern im Netz deutlich wirtschaftlicher erbracht werden können.
Viele Schönwetter Flexumer werden deshalb zu Allwetter Flexumern werden wollen. Genau deshalb ist es so wichtig, dass ein Wärmepumpensystem bereits heute Hybrid Ready ist. Dies erfordert eine dafür optimierte Systemverschaltung mit möglichst großen Wärmespeichern.
Der Allwetter Flexumer verfügt zusätzlich über Möglichkeiten, seine Abhängigkeit vom Stromsystem in kritischen Situationen zu reduzieren. Dies kann insbesondere über hybride Wärmeerzeuger oder andere Konzepte geschehen, die nicht nur den Zeitpunkt des Energieverbrauchs verändern, sondern den Bedarf an elektrischer Leistung in den kritischen Stunden tatsächlich senken können.
Mehr zum Thema in unserem Onlinevortrag – dort auch die Kontaktmöglichkeit
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